Burn-out Risiken reduzieren durch gute Selbstführung?

Burn-out Risiken reduzieren durch gute Selbstführung?

Kann eine gute Selbstführung die Burn-out-Gefahr reduzieren? Und wie können Unternehmen und Führungskräfte Einfluss auf die Selbstführung ihrer Mitarbeiter nehmen?

Der Arbeitsmarkt verändert sich zunehmend. Der Leistungsdruck steigt und Mitarbeitende sind zum Teil überlastet. Viele fühlen sich innerlich ausgebrannt. Je geringer die emotionale Bindung zum Arbeitgeber, umso höher ist die Bereitschaft, das Unternehmen zu wechseln. Dies belegen die Zahlen der neuen Gallup Studie*. Home-Office und die damit verbundene Isolierung der Coronajahre spielt dabei sicher auch eine wichtige Rolle.

Statistiken zeigen auch, dass psychische Erkrankungen mittlerweile die Nummer 2 der häufigsten Ursachen von Arbeitsunfähigkeit sind. Nur Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems waren noch häufiger. Was an sich ein Abbild der veränderten Arbeitswelt mit weniger Bewegung ist.

Als Karriere- und Führungskräfte-Coach kommen viele Klient*innen zu mir, weil sie Unterstützung beim Selbstmanagement und der damit verbundenen Selbstführung suchen.

Folgende Punkte meiner Klient*innen kommen immer wieder auf den Tisch:

  • Nicht NEIN sagen können
  • E-Mail-Fluten
  • Sofortnachrichtendienste für permanente Erreichbarkeit
  • Unzählige Telefonkonferenzen
  • Auch am Wochenende und im Urlaub nicht abschalten können
  • Schlechtere Kommunikation untereinander durch Home-Office
  • Sinkende Motivation
  • Keine klaren Verantwortlichkeiten
  • Innere Kündigung aufgrund von Überlastung

Wie kann ich selbst und wie können Unternehmen Veränderungen herbeiführen?

Was kann ich selbst tun? 5 Ideen für eine bessere Selbstführung

  • Nein-sagen
  • Grenzen setzen und diszipliniert einhalten
  • Arbeitsorganisation und Planung überdenken und anpassen
  • Offene Kommunikation mit Vorgesetzten zur persönlichen Situation
  • Für Entspannung sorgen

Nein-sagen

Eine wiederkehrende Erkenntnis meiner Coachees ist es, dass sie nicht Nein sagen können. Als Folge landet immer mehr auf Ihrem Tisch. Irgendwann ist es dann so viel, dass eine Überlastung droht. Viele fühlen sich nicht mehr in der Lage, die Arbeitslast zu bewältigen. Auf die Frage, wie viel dessen, was auf ihrem Tisch landet, wirklich zu Ihrer Arbeit gehört, ist die Antwort häufig ernüchternd.

Aber warum wird nicht Nein gesagt? Das hat leider nichts mehr mit Hilfsbereitschaft zu tun, denn häufig lautet die Antwort: Harmoniebedürfnis, Karriereambitionen oder Selbstvertrauen. Gemocht werden wollen und möglichst keine Konflikte eingehen.

Meine Empfehlung: Fragen Sie sich mal: „Was passiert, wenn ich Nein sage?“ In der Rückschau betrachtet nichts! Jede/r hat schon mal Nein gesagt, ohne dass es eine Konsequenz hatte. Und wenn, dann kann ich immer noch darauf reagieren. Probieren Sie es doch für den Anfang mit einer kleinen Aufgabe aus, bei der Sie „Nein“ sagen.

Grenzen setzen und diszipliniert einhalten

Bis das Arbeitsvolumen zur Last oder Belastung wird, ist es sehr individuell und von Person zu Person verschieden und orientiert sich an den eigenen Bedürfnissen. In weiterer Folge lässt sich nicht verallgemeinern, wann und wie sich Belastung zeigt. Daher sind die Grenzen sehr individuell zu setzten und diszipliniert einzuhalten. Wie oft höre ich: „Nächste Woche gehe ich 2-mal um 17:00 Uhr nach Hause, um endlich mal wieder Sport zu machen“. Dann kam aber doch noch eine vermeintlich dringende Anfrage und Schwups ist es mit der Planung vorbei.

Meine Empfehlung: Disziplin, auch bei persönlichen Zielen, ist wichtig und schafft Balance. Um Grenzen abzustecken, Überlastung aufzuzeigen und Prioritäten zu setzen, ist der Austausch mit dem Vorgesetzten hilfreich. Für das Einhalten der Grenzen ist jedoch Eigenverantwortung unerlässlich. Klare Kommunikation, ein respektvoller und wertschätzender Umgang sind in beiden Fällen gute Unterstützer.

Arbeitsorganisation und Planung überdenken und anpassen

Die neue Arbeitswoche und den neuen Arbeitstag zu Beginn über eine To-Do-Liste einzuteilen hilft, Aufgaben im Überblick zu behalten. Wichtig sind hierbei die Priorisierung sowie eine sinnvolle Zeiteinteilung. Auch Pausenzeiten sollten geplant werden und bei der Zeiteinteilung berücksichtigt werden. Die beste Planung nützt jedoch nichts, wenn ich mich ständig durch eintreffende E-Mails und Sofortnachrichten ablenken lasse. Dies führt dazu, dass ich unkonzentriert bin und mich nach jeder Ablenkung erst wieder neu in das gerade vorliegende Thema einarbeiten muss.

Meine Empfehlung: Einer der wichtigsten Regeln ist: die Arbeitszeit nie zu 100 % fest verplanen. Denn wenn Pufferzeiten eingeplant sind, kann Unvorhergesehenes leichter in den Arbeitstag integrieren werden. Im Idealfall sollten maximal 60% des Tages verplant sein. Wenn Sie konzentriert arbeiten möchten, schalten Sie zudem E-Mail-Benachrichtigungen und Sofortnachrichtendienste aus und planen Sie sich für die Beantwortung gleichermaßen Zeit ein.

Offene Kommunikation mit Vorgesetzten zur persönlichen Situation

Mitarbeitergesundheit sollte bei Vorgesetzten im Fokus stehen. Psychische Gesundheit und Überlast enttabuisiert werden. Für eine offene Kommunikation sind vor allem Respekt und Vertrauen wichtig. Ist der Vorgesetzte über die aktuelle Situation des Mitarbeitenden informiert, schafft dies die nötige Transparenz auf beiden Seiten, um Veränderungen herbeizuführen, in dem eventuell neu priorisiert oder Arbeit umverteilt wird.

Meine Empfehlung: Sprechen Sie mit ihrem Vorgesetzten offen über Ihre Herausforderungen, machen Sie Lösungsvorschläge für den Veränderungsprozess und holen Sie sich Rückendeckung für ein klares Nein zu z.B. anderen Fachabteilungen. Legen Sie Ihre Situation klar dar und fordern Sie Unterstützung ein.

Für Entspannung sorgen

Studien zeigen, dass unser Gehirn gar nicht die Kapazität hat, sich auf dieselbe Sache für einen langen Zeitraum zu konzentrieren. In Konsequenz ist konzentriertes Arbeiten nicht mehr als 60 Minuten am Stück sinnvoll. Regelmäßige Pausen, in denen die Arbeit wirklich ruht, sind daher wichtig für die Konzentration und Produktivität.

Meine Empfehlung: Über Mittag eine längere Pause ohne Handy und Rechner machen. Zusätzliche kleine Pausen, alle 60-Minuten sorgen für Entspannung und bringen neue Energie. Hier genügt es, kurz aufstehen, den Körper zu bewegen oder den Raum kurz durchzulüften. Die ideale Zeit auch, um für ausreichend Flüssigkeitszufuhr zu sorgen. Im Anschluss kann wieder konzentriert weitergearbeitet werden.

Können Unternehmen Einfluss nehmen?

Auf jeden Fall. Eine Unternehmens- und Führungskultur, die darauf ausgelegt ist, dass man auf seine Mitarbeitenden achtet, ist essenziell. Leistungsfähigkeit ist und bleibt an ein ausgeglichenes Leben gekoppelt und Erholungsphasen sind wichtig für die Produktivität jedes Einzelnen. Mit Familienfreundlichkeit, flexiblen Arbeitszeiten, Teilzeit, Home-Office und anderen mitarbeiterfreundlichen Angeboten zu werben reicht nicht.

Unternehmen müssen auch in die Umsetzung gehen, d.h. Mitarbeitergesundheit in den Vordergrund stellen und klare Regeln zur Arbeitszeit, dem Umgang mit Sofortnachrichtendiensten oder E-Mail definieren. Zudem sollten Führungskräfte zum Thema Selbst- und Mitarbeiterführung geschult werden.

Führungskräfte sind ebenso Vorbild für ihre Mitarbeitenden. Anrufe und Mails in den späten Abendstunden und am Wochenende sind kontraproduktiv und erhöhen den Druck. Mitarbeitende fühlen sich genötigt, gleichermaßen zu agieren.

In Mitarbeitergespräche geht es selten um Themen wie Überlastung, zu hohes Arbeitsaufkommen und Lösungsansätze für eine bessere Life Balance. Mitarbeitende trauen sich nicht, diese Themen anzusprechen, um keine Schwäche zu zeigen. Nur wenn die Unternehmenskultur einen solchen Dialog zulässt, kann Veränderung entstehen.

Firmen sind gesetzlich verpflichtet, das AZG einzuhalten und sollten sich nicht darauf verlassen, dass Mitarbeiter selbst auf die Einhaltung achten. Klare Ansagen der Geschäftsleitung, der Führungskräfte und Personalabteilungen sowie ein zuverlässiges Zeiterfassungssystem sind hierbei entscheidend.

Zudem ist der Arbeitgeber gemäß Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten am Arbeitsplatz zu sorgen. Arbeitsschutz ist immer Chefsache! Das wichtigste Instrument zur Umsetzung dieser Verpflichtung ist die Gefährdungsbeurteilung. Hierbei sind auch zwingend die psychischen Belastungen zu bewerten.

Was braucht es, um ein gesünderes Arbeitsumfeld zu schaffen und die Burn-out-Gefahr zu reduzieren?

Für ein gesundes Arbeitsumfeld ist eine klare, offene und wertschätzende Kommunikation auf allen Ebenen unabdingbar. Miteinander. Das heißt auch, auf sich selbst achten und ein Umfeld schaffen, an dem Selbstführung und Selbstfürsorge Priorität haben. Als Führungskraft mit gutem Beispiel vorangehen und Mitarbeitenden Freiräume zugestehen, in denen sie in Eigenverantwortung für sich sorgen.

Psychische Gesundheit sollte in Unternehmen enttabuisiert werden, um die Angst vor Ausgrenzung und Stigmatisierung zu nehmen. Die Unternehmens- und Führungskultur sollte darauf ausgelegt sein, dass Mitarbeitergesundheit im Fokus steht. Denn nur gesunde Mitarbeiter sind leistungsstark und motiviert und tragen so zum Unternehmenserfolg bei. Wenn Sie ihre Selbstführung oder die ihrer Mitarbeiter verbessern möchten, kann ein Coach Ihnen helfen, Klarheit zu gewinnen und Veränderungen zu erarbeiten. Kontaktieren Sie mich für ein unverbindliches Erstgespräch. Kontakt

*https://www.gallup.com/de/321938/engagement-index-deutschland-2020.aspx