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Warum Konflikte so wichtig sind – und wie man mit Ihnen umgeht

Neulich hat mir eine Klientin berichtet, dass sie mit ihrem Vorgesetzten immer wieder aneinandergerät. Ihre Ideen würden gar nicht erst gehört oder schnell abgetan. Sie fühlte sich unverstanden und hatte Zweifel daran, ob sie noch im richtigen Job ist. Hat sie es ihrem Chef gesagt, dass sie sich nicht mehr wertgeschätzt fühlt – nein! Warum – ‚wir sind alle im Home Office und so was bespreche ich lieber persönlich.‘

Gerade in der aktuellen Zeit entstehen Konflikte aufgrund mangelnder Kommunikation. Teams und Ihre Vorgesetzten sind häufig räumlich getrennt, Missverständnisse entstehen und können nicht mal schnell persönlich ausgeräumt werden. Wie Konflikte auch immer entstehen, deren Handhabung ist wichtig und hat einen direkten Einfluss auf die Stimmung und das Arbeitsergebnis jedes Einzelnen. Konflikten aus dem Weg zu gehen, heißt Unmut und Ärger herunterzuschlucken und den inneren Frieden zu gefährden. Die Konsequenz kann ein schlechtes Arbeitsergebnis sein oder sogar ein Arbeitgeberwechsel. Konflikte anzunehmen und richtig mit ihnen umzugehen, stärkt die Kommunikation, Beziehungen und das Vertrauen untereinander.

Was sind häufige Konfliktarten?

Aus meiner langjährigen Erfahrung und auch in unterschiedlichen Quellen vielfach benannt, gehören Sach-, Beziehungs-, Bewertungs-, Verteilungs- und Wahrnehmungskonflikte zu den häufigen Konfliktarten im beruflichen Kontext.

Sachkonflikte

Sachkonflikte gehören zu den besten und wenn man das so sagen kann, wünschenswerten Konfliktarten, weil sie Diskussionen in Gang bringen. Sie beziehen sich in der Regel auf konkrete Situationen und Fakten. Schwierig wird es, wenn Emotionen ins Spiel kommen und die Beziehungsebene eine Rolle spielt.

Beziehungskonflikte

Jeder von uns kennt wahrscheinlich eine*n Kollegen*in, mit der*dem man einfach nicht kann. Vielleicht liegt es am Verhalten, der Art der Kommunikation, der Arbeitsweise, dem Auftreten, den unterschiedlichen Wertvorstellungen … oder es gab bereits früher Auseinandersetzungen und eine gegenseitige Antipathie besteht. Da unterschiedliche Persönlichkeiten in Teams zusammenkommen, bleiben Konflikte häufig nicht aus.

Verteilungskonflikte

Sie entstehen in der Regel aus einem Gefühl mangelnder Wertschätzung oder Ungerechtigkeit heraus. Häufig geht es dabei um Arbeitsbedingungen, die Aufgabenverteilung oder die Anerkennung durch Vorgesetzte. Besonders stark zeigt sich das auch, wenn finanzielle Themen eine Rolle spielen wie z.B. bei Gehaltserhöhungen, Beförderungen, Auszeichnungen oder Belobigungen. Menschen mit einem großen Selbstvertrauen sind deutlich seltener in Verteilungskonflikte involviert, da sie auf die Anerkennung anderer nicht unbedingt angewiesen sind.

Beurteilungs-und Wahrnehmungskonflikte

Sie entstehen immer dann, wenn unterschiedliche Wahrnehmungen zu einer konträren Situationsbewertung führen. Arbeiten beispielsweise mehrere Kollegen*innen in einem Projektteam bedeutet, ein guter Teamplayer zu sein für die einen, ihre hierarchische Rolle im Team einzunehmen und diese wahrzunehmen. Für andere heißt es, einander zu helfen und sich auf Augenhöhe zu unterstützen. Beide sind ihrer Wahrnehmung nach Teamplayer, doch kann aus den Unterschieden schnell ein Streit entstehen.

Was ist wichtig im Umgang mit Konflikten?

Bewertungen überprüfen

„Es sind nie die Tatsachen, die uns beunruhigen und ärgern, es sind immer unsere eigenen Bewertungen.“ Marshall Rosenberg

Im Eisbergmodell, das in Anlehnung an die Arbeit von Sigmund Freud entstanden ist, werden 2 Ebenen der Kommunikation beschrieben. Die Sachebene und die Beziehungsebene.

Auf der Sachebene geht es um Zahlen, Daten und Fakten. Im Gegensatz dazu geht es auf der Beziehungsebene um Gefühle, Erfahrungen und Instinkte. Zudem geht das Modell davon aus, dass wir lediglich einen kleinen Anteil bewusst bestimmen und auch nur dieser sichtbar ist. In unsere Bewertungen fließen unbewusst aber immer wieder unsere Erfahrungen, Gefühle und Instinkte ein und lassen uns Dinge anders bewerten, als sie vielleicht wirklich gesagt oder getan wurden. Dies kann zu Missverständnissen, Konflikten und Unzufriedenheit führen.

Bevor wir uns ärgern oder beunruhigt sind, sollten wir das Gespräch suchen, um tatsächlich zu verstehen, was unser Gegenüber meint und uns kritisch Fragen – ist meine Bewertung der Situation wirklich wahr?

Glaubenssätze umwandeln

„In jeder Minute, die Du im Ärger verbringst, versäumst Du 60 glückliche Sekunden.“ Albert Schweitzer

Ärger entsteht häufig aus unseren eigenen Bewertungen und Erfahrungen. Häufig sind es auch negative Glaubenssätze, die uns schon ein Leben lang begleiten und in gewissen Situationen triggern.

In solchen Situationen sollten wir uns fragen:

Ist das denn wirklich wahr?

Ist das wirklich immer so und bei allen anderen auch?

Wie könnte mein Leben ohne diesen Glaubenssatz aussehen?

In den meisten Fällen können wir unsere Glaubenssätze als falsch entlarven und den Ärger positiv umwandeln.

Konstruktiv Kritik üben und annehmen

Kontruktive Kritik kann ein Zeichen von Wertschätzung sein, weil sie uns oder anderen hilft, sich zu verbessern. Wichtig ist, dass sie persönlich und unter vier Augen geübt wird.

Kritik sollte weder Vorwurf noch Pauschalisierung enthalten, das Problem und die Situation sachlich schildern, beschreiben, was es in uns ausgelöst hat und welche Konsequenzen das für uns hat.

Es sollte kein Monolog sein, sondern die Sicht des anderen einbeziehen, um weitere Informationen zu bekommen, die die Lösungsfindung erleichtern. Der Wunsch nach Veränderung für eine verbesserte Zusammenarbeit in der Zukunft sollte das Ziel sein.

Die ersten 2 Schritte im Umgang mit Konflikten

1. Verteidigung und Angriff vermeiden

Verteidigung ermutigt den anderen, uns nur noch mehr zu attackieren und wenn wir angreifen, verteidigt sich unser Gegenüber. Oftmals wird es dann persönlich und dreht sich nicht mehr um die Sache. So sind wir in einem Teufelskreis, der es unmöglich macht, den Konflikt zu lösen. Daher ist es wichtig, auf Verteidigung und Angriff zu verzichten.

2. Aktiv zuhören

Anstatt uns zu verteidigen, sollten wir aktiv zuhören und versuchen, die Perspektive unseres Gegenübers genau zu verstehen. Nur dann können wir dessen Realität wahrnehmen und beginnen, den Konflikt auf eine andere Ebene zu bringen.

Was sollte das Ziel sein?

Streit oder Konflikte bestmöglich zu handhaben bedeutet eine gemeinsame Lösung zu finden, die für alle Beteiligten eine Win-Win Situation darstellt. Sie ist das Ergebnis einer konstruktiven Diskussion, bei der die Sicht beider Seiten einbezogen wird und mit der alle vollends übereinstimmen.

Neben der Win-Win Situation stellt auch der Kompromiss eine gute Lösung von Konflikten dar. Allerdings müssen hier beide Seiten auf etwas verzichten und auf den anderen zugehen. Wichtig ist, dass alle mit dem Ergebnis zufrieden sind und sich niemand zurückgesetzt fühlt.

Besseres Konfliktmanagement, zufriedene Mitarbeiter, größerer Erfolg

Was war das Thema bei meiner Klientin? Man könnte meinen, es handelt sich um einen Beziehungskonflikt. Er kann sie nicht leiden und blockt ihre Ideen deswegen ab. Sie interpretiert sein Verhalten als wenig wertschätzend und die Beziehungsebene ist gestört. ‚Er kann mich nicht leiden‘ war ihre Bewertung.

In unserer Coachingsitzung haben wir uns die positive Vergangenheit angesehen und sie konnte sich daran erinnern, dass vor der Corona Pandemie die Zusammenarbeit deutlich besser war. Ihre Ideen wurden gehört und teilweise auch umgesetzt.

Was war passiert? In einem persönlichen Gespräch (Online), in dem sie Ihre Kritik konstruktiv geäußert hat und erklärt hat, was sein Verhalten bei ihr ausgelöst hat, kamen ganz andere Hintergründe zum Vorschein. Ihr Vorgesetzter war sehr unter Druck aufgrund der Veränderungen, die sich für das Unternehmen in der Pandemie ergeben hatten. Er schätzte sie und ihre Ideen nach wie vor und war entsetzt, was er mit seinem Verhalten ausgelöst hatte. Mangelnde Kommunikation auf beiden Seiten hatte zu einer Situation geführt, die man hätte vermeiden können.

Das Beispiel zeigt, dass es gerade jetzt wichtig ist, regelmäßig zu kommunizieren, die eigenen Bewertungen zu überprüfen und den vermeintlichen Konflikt nicht zu scheuen.

Weitere Tipps und mehr Wissen gibt es in meinem Online Workshop Konfliktmanagement.